
In Georg Simmels «Soziologie» (1908) geht es nicht um Inhalte, sondern um Formen der Vergesellschaftung: Durch Wechselwirkungen wie Streit, Dyade/Triade, Geheimnis oder den Fremden entsteht erst soziale Realität.
| Herausgeber | Verlag von Duncker & Humblot |
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| ISBN | entf. |
| Jahr | 1922 |
| Seiten | 578 |
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In seinem Hauptwerk begründet Georg Simmel die Soziologie als eigenständige Wissenschaft. Um der Soziologie einen eigenen Gegenstandsbereich neben Psychologie, Geschichtswissenschaft oder Ökonomie zu verschaffen, führt Simmel die methodische Unterscheidung zwischen Inhalt und Form des sozialen Lebens ein.
Unter Inhalt versteht er die individuellen Antriebe, Zwecke, Interessen oder Gefühle der Menschen (wie Trieb, Glaube, Erwerb). Die Form hingegen ist die Art und Weise, wie die Individuen miteinander in Wechselwirkung treten. Gesellschaft entsteht laut Simmel erst dort, wo aus diesen Wechselwirkungen feste Formen der Vergesellschaftung hervorgehen. Gegenstand der Soziologie ist somit nicht die Summe aller menschlichen Handlungen, sondern die reine Untersuchung dieser interaktiven Formen.
Simmels Werk bietet ein mikrosoziologisches und beziehungsanalytisches Instrumentarium. Statt starrer Systeme beschreibt er das soziale Leben als dynamisches Gewebe aus Interaktionen. Sein begrifflicher Ansatz der Wechselwirkung und der formalen Soziologie prägt die Sozialwissenschaften bis heute maßgeblich.
Wenn es richtig ist, dass das menschliche Erkennen sich aus praktischen Notwendigkeiten entwickelt hat, weil das Wissen des Wahren eine Waffe im Kampf ums Dasein ist, sowohl gegenüber dem außermenschlichen Sein wie in der Konkurrenz der Menschen untereinander — so ist es doch an diese Herkunft längst nicht mehr gebunden, und ist aus einem bloßen Mittel für die Zwecke des Handelns selbst zu einem endgültigen Zwecke geworden.
Dennoch hat das Erkennen, sogar in der selbstherrlichen Form der Wissenschaft, die Beziehungen zu den Interessen der Praxis nicht überall abgebrochen, wenn sie auch jetzt nicht als bloße Erfolge der letzteren auftreten, sondern als Wechselwirkungen zweier zu selbständigen Rechten bestehenden Reiche. Denn das wissenschaftliche Erkennen bietet sich nicht nur, in der Technik, der Verwirklichung äußerer Willensziele dar, sondern auch, von der andern Seite her, setzt sich an die praktischen Zuständlichkeiten, innere wie äußere, das Bedürfnis theoretischer Einsicht an; manchmal tauchen neue Richtungen des Denkens auf, mit deren rein abstraktem Charakter dennoch nur die Interessen eines neuen Fühlens und Wollens sich in die Fragestellungen und Formen der Intellektualität hineinstrecken.
So sind die Ansprüche, die die Wissenschaft der Soziologie zu erheben pflegt, die theoretische Fortsetzung und Abspiegelung der praktischen Macht, die im neunzehnten Jahrhundert die Massen gegenüber den Interessen des Individuums erlangt haben. Dass aber das Bedeutungsgefühl und die Aufmerksamkeit, die die unteren Stände den höheren abzwangen, gerade von dem Begriff der »Gesellschaft« getragen ist, liegt daran, dass vermöge der sozialen Distanz die ersteren den letzteren nicht nach ihren Individuen, sondern nur als einheitliche Masse erscheinen und dass eben diese Distanz beide in keiner andern prinzipiellen Hinsicht verbunden sein lässt, als dass sie zusammen »eine Gesellschaft« bilden.
Georg Simmel (1858–1918) war ein deutscher Philosoph und Soziologe sowie ein Mitbegründer der modernen Soziologie. Als Vertreter der formalen Soziologie untersuchte er nicht bloße soziale Inhalte, sondern die zugrundeliegenden Formen menschlicher Wechselwirkung (wie Konflikt, Geheimnis und Macht).
Zu seinen bekanntesten Hauptwerken zählen «Philosophie des Geldes» (1900), in dem er die Monetarisierung der Kultur analysiert, und «Soziologie» (1908). Mit Beiträgen wie der Sinnessoziologie oder dem Konzept des «Fremden» prägte Simmel die Mikrosoziologie, Großstadtsoziologie und die spätere Chicagoer Schule nachhaltig.
| Titel | Soziologie Georg Simmel |
|---|---|
| Autor | Georg Simmel |
| Herausgeber | Verlag von Duncker & Humblot |
| Datum | 1922 |
| Seiten | 578 |
| Land | München und Leipzig |
| Format | |
| Dateigröße | 68.2 MB |
| URL | Georg Simmel Soziologie Georg Simmel |